Welttag für menschenwürdige Arbeit

Dienstag, 08.10.2019

Welttag für menschenwürdige Arbeit

Am 7. Oktober fand zum 12. Mal der Welttag für menschenwürdige Arbeit statt. Millionen Menschen nahmen an Veranstaltungen teil, überall auf der Welt wurde mobilgemacht. An diesem Tag treten alle Gewerkschaften weltweit für menschenwürdige Arbeit ein. Menschenwürdige, gute Arbeit muss im Mittelpunkt staatlicher Massnahmen stehen, die darauf abzielen, eine neue globale Wirtschaft aufzubauen, die wieder den Menschen dient.
 
Der LANV nahm dies zum Anlass um Stopp zu sagen. Stopp zu menschen­un­wür­digen Löhnen.

Gesetz­geber
In Liech­ten­stein müssen berufs-und bran­chen­üb­liche Löhne bezahlt werden. Gemäss Arbeits­ver­trags­recht ABGB §1173a Art. 111b hat die drei­glied­rige Kommis­sion die Aufgabe, den Arbeits­markt auf das miss­bräuch­liche Unter­bieten berufs-und bran­chen­üb­li­cher Löhne zu beob­achten. Stellt sie wieder­holte Miss­bräuche fest, muss die Verstän­di­gung mit den Arbeit­ge­bern gesucht werden. Gelingt das nicht, bean­tragt die Kommis­sion bei der Regie­rung den Erlass eines Normal­ar­beits­ver­trags mit zwin­genden Mindest­löhnen. 

 

Staat­li­ches Lohn­dum­ping
Der tiefste Mindest­löhn unserer beste­henden GAV liegt bei CHF 3‘250.--. Mindest­löhne liegen natur­ge­mäss tiefer als die tatsäch­li­chen bran­chen­üb­li­chen Löhne. Doch das Ausländer-und Passamt erteilt seit Jahren Bewil­li­gungen mit Löhnen von CHF 2‘600.--! Trotz mehrerer Inter­ven­tionen bei verschie­denen staat­li­chen Stellen, wird sie in der Praxis nach wie vor ange­wendet. Wie es sich mit einem solchen Dumping­lohn in Liech­ten­stein lebt, zeigt das eindrück­liche Beispiel von Frau Domin­guez.

Staat­lich bewil­ligte Löhne, die CHF 650.-- bis CHF 920.-- unter dem tiefsten Mindest­lohn aller GAV für unqua­li­fi­zierte Hilfs­kräfte liegen, sind nicht nur unver­schämt, sie höhlen zudem beste­hende GAV mit der Wirt­schafts­kammer aus und führen zu einer allge­meinen Abwärts­spi­rale der Löhne! Die drei­glied­rige Kommis­sion muss endlich handeln und dieser unwür­digen Praxis einen Riegel vorschieben, damit in Liech­ten­stein allen Voll­zeit­ar­bei­tenden ein menschen­wür­diges Leben ermög­licht wird!

 

Artikel Vater­land

 

Frau Domin­guez muss sich entscheiden!
Der Motor­roller ist kaputt, das Knie auch. Jetzt muss sich Frau Domin­guez entscheiden. Soll sie weiter mit Schmerzen leben und für die Repa­ratur sparen oder soll sie sich der über­fäl­ligen Opera­tion unter­ziehen und dafür mit dem alten Fahrrad die 15 km zu ihrem Arbeitsort radeln. Denn so früh am Morgen fährt noch kein Bus. Frau Domin­guez arbeitet Voll­zeit in einem Hotel und verdient CHF 2‘600.-- brutto im Monat. Netto bleiben ihr CHF 2‘300.--, dies bei einer 45 Std. Woche. Für ihre Wohnung bezahlt sie CHF 1‘300.--. Wenn sie Kran­ken­kasse, Strom, Versi­che­rungen, Internet, Handy und Essen bezahlt hat, bleiben ihr CHF 200.-- zum Leben. Um die Fran­chise und den Selbst­be­halt der Opera­tion zahlen zu können, muss sie sieben Monate sparen!