Aktuell

Freitag, 01.Juli 2022
Frauenerwerbstätigikeit
Die Frauenerwerbsquote ist in Liechtenstein deutlich tiefer als in der Schweiz. Gleichzeitig klagen die Unternehmen über Fachkräftemangel, und der Grenzgängeranteil steigt von Jahr zu Jahr an. Die Stiftung Zukunft.li ging der Frage nach, ob es objektive Gründe für das stärkere Fernbleiben der Frauen vom Arbeitsmarkt gibt und welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen daraus resultieren.

 

Vorteile einer höheren Erwerbs­quote

Viele Unter­nehmen und Bran­chen sind mit einem Fach­kräf­te­mangel konfron­tiert. Aus volks­wirt­schaft­li­cher Sicht wäre es daher sinn­voll, das inlän­di­sche Arbeits­kräf­te­po­ten­zial besser auszu­schöpfen. Denn eine höhere Erwerbs­quote bei glei­cher Gesamt­be­schäf­ti­gung führt zu einem höheren Brut­to­na­tio­nal­ein­kommen (BNE), welches als Mass für den inlän­di­schen Wohl­stand gilt. Damit steigt auch das Steu­er­sub­strat an. Ein weiterer Aspekt ist der gerin­gere Arbeits­weg­ver­kehr, wenn Arbeits­plätze durch inlän­di­sche Arbeits­kräfte anstelle von Zupend­le­rinnen und Zupend­lern besetzt werden. Und schliess­lich werden die Bildungs­in­ves­ti­tionen der öffent­li­chen Hand besser genutzt und unter­stützen so die wirt­schaft­liche Entwick­lung. Spätes­tens wenn die gebur­ten­starken 1960er-Jahr­gänge in Pension gehen, wird sich das Arbeits­kräf­te­an­gebot weiter redu­zieren. Eine höhere Erwerbs­be­tei­li­gung – insbe­son­dere auch der Frauen – könnte helfen, diese Heraus­for­de­rung für die Wirt­schaft zumin­dest etwas abschwä­chen.

 

Vergleich mit der Schweiz
Direkter Vergleich mit der Schweiz über­rascht. Aufgrund der starken Ähnlich­keiten würde man vermuten, dass sich die Erwerbs­be­tei­li­gungs­quoten in Liech­ten­stein und der Schweiz nicht wesent­lich unter­scheiden. Sie tun es aber doch. Ende 2019 waren in Liech­ten­stein 76 Prozent der 20- bis 64-Jährigen erwerbs­tätig, während die Quote in der Schweiz bei deut­lich höheren 83 Prozent lag. Beson­ders auffällig ist der Unter­schied bei den Frauen. 69 Prozent der Liech­ten­stei­ne­rinnen gingen 2019 einer Erwerbs­tä­tig­keit nach, in der Schweiz hingegen lag der Wert zehn Prozent­punkte höher. Die unter­schied­li­chen Erwerbs­ver­läufe zwischen den Geschlech­tern zeigen sich in Liech­ten­stein ab Alter 30, dies auch unab­hängig vom Ausbil­dungs­ni­veau. Während die Erwerbs­tä­tig­keit der Männer auch dann noch ansteigt, knickt die Verlaufs­kurve bei den Frauen ab und bleibt bis zum Pensi­ons­alter deut­lich unter derje­nigen der Männer. Frauen steigen entweder aus dem Erwerbs­leben aus oder redu­zieren ihr Pensum. Zukunft.li hat eine Poten­zi­al­schät­zung ange­stellt, nach der rund 600 bis 700 Voll­zeit­stellen in Liech­ten­stein besetzt werden könnten, wenn die Frauen in Liech­ten­stein im glei­chen Ausmass erwerbs­tätig wären wie jene in der Schweiz. Betreu­ungs­wunsch domi­niert Fremd­be­treu­ungs­kosten und zusätz­liche Steu­er­be­las­tung redu­zieren den ökono­mi­schen Anreiz für Erwerbs­tä­tig­keit. Dieser Aspekt dürfte in Liech­ten­stein aller­dings eine unter­ge­ord­nete Rolle spielen. Stärker wiegt der Wunsch, die Kinder möglichst selbst betreuen zu können. Aus libe­raler Perspek­tive muss es auch eine indi­vi­du­elle Entschei­dung bleiben, wie sich Eltern in Bezug auf Arbeit und Kinder­be­treuung orga­ni­sieren.

 

Haus­auf­gaben der Politik
Es ist Aufgabe einer zukunfts­ge­rich­teten Fami­li­en­po­litik, erkannte Hinder­nisse für die Frau­en­er­werbs­be­tei­li­gung aus dem Weg zu räumen und für opti­male Voraus­set­zungen von Frauen und Männern auf dem Arbeits­markt zu sorgen. Die Politik wird sich in dieser Legis­latur mit der Umset­zung der Work-Life-Balance-Richt­linie der EU ausein­an­der­setzen, die Liech­ten­stein als EWR-Mitglied umzu­setzen hat. Den posi­tiven Aspekten von ausge­wo­genen Arbeits­markt­chancen der Geschlechter stehen poten­ziell zu starke Arbeits­markt­ein­griffe gegen­über. Die Politik ist gefor­dert, das Optimum zu finden, bei dem möglichst hoher volks­wirt­schaft­li­cher Nutzen resul­tiert.

Hier lesen Sie den Impuls Frau­en­er­werbs­tä­tig­keit der Stif­tung Zukunft.li
Dienstag, 07.Juni 2022
Film zur Uno-Konvention zum Schutz und den Rechten von Frauen (CEDAW)
Der Film zur Uno-Konvention zum Schutz und den Rechten von Frauen (CEDAW) erklärt, welche Rechte geschützt sind und warum die Konvention auch für Liechtenstein relevant ist. Der Film wurde letztes Jahr im Rahmen des 25jährigen Beitritts von Liechtenstein zu CEDAW vom VMR veröffentlicht.
Freitag, 03.Juni 2022
Jahresbericht 2021
Der Arbeitnehmerverband blickt auf ein schwieriges aber auch erfolgreiches 2021 zurück. Häufig wechselnde Coronamassnahmen, Sozialpartnerschaften und die bezahlte Elternzeit hielten den Verband auf Trab.
Samstag, 14.Mai 2022
Familie und Beruf
Im Vergleich zu den Nachbarländern verfügt Liechtenstein über eine verhältnismässig tiefe Erwerbsquote von Frauen. Die gestrige Veranstaltung „Familie und Beruf“ zeigte Perspektiven und Massnahmen auf, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Liechtenstein zu verbessern.

«Wahl­frei­heit ist die einzige poli­ti­sche Antwort.» sagte die ehema­lige Bundes­fa­mi­li­en­mi­nis­terin Kris­tina Schröder. Damit die Fami­lien über­haupt eine Wahl haben, braucht Liech­ten­stein eine rasche und gross­zü­gige Umset­zung der Work-Life-Balance-Richt­linie. Dies ist ein grosser und entschei­dender Schritt für die von S.D. Erbprinz Alois gefor­derte und zahl­rei­chen Eltern gewünschte Möglich­keit, dass Eltern ihre Kinder im ersten Jahr selbst betreuen können.
Wir erwarten von der Regie­rung, dass EU-Richt­linie rasch und fami­li­en­freund­lich umge­setzt wird.

Hier lesen Sie den Vater­land-Artikel.
Hier lesen Sie den Volks­blatt-Artikel

Hier lesen Sie das Posi­ti­ons­pa­pier des LANV zur Umset­zung der Work-Life-Balance-Richt­line

Hier lesen Sie den Volks­blatt-Artikel zur Work-Life-Richt­linie


Bild@​Tatjana Schnalzger
Montag, 02.Mai 2022
Maifeier
Auch wenn das gemütliche Beisammensein im Vordergrund stand, so liess es sich LANV-Präsident Sigi Langenbahn nicht nehmen, einen Appell an die anwesende Regierungschef-Stellvertreterin zu richten und darum zu bitten, der bezahlten Elternzeit die nötige Prioriät zu verleihen.
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Pressemitteilungen

Donnerstag, 11.August 2022
Fortschritt geht anders
Lange hielten die Arbeitgeberverbände ihre Stellungnahme zur Übernahme der EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unter Beschluss. Erst im Volksblatt-Interview vom 5. August mit dem bezeichnenden Titel: „Es muss uns gelingen, als Arbeitsort attraktiv zu bleiben“ liess sich LIHK-Geschäftsführerin Brigitte Haas in die Karten blicken

Ein Kind sei eine persön­liche Entschei­dung, für die man auch Verant­wor­tung tragen müsse. Bei Inan­spruch­nahme der Eltern­zeit sinke das Einkommen ja nicht auf Null, da der andere Eltern­teil in der Regel weiter­ar­beite.
Daher sprä­chen sich die Wirt­schafts­ver­bände ledig­lich für eine Grund­si­che­rung statt einem prozen­tualen Anteil des Lohns aus. Schliess­lich falle das Geld ja nicht vom Himmel.

Wie immer bei arbeit­neh­mer­freund­li­chen Richt­li­nien machen sich die Arbeit­ge­ber­ver­bände für die Umset­zung der abso­luten Mindest­vor­gaben stark, um den Wett­be­werbs­vor­teil „Nied­rige Lohn­ne­ben­kosten bei relativ hohen Löhnen“ nicht zu gefährden.
Offen­sicht­lich sind sie immer noch nicht in der Realität ange­kommen. Der Lohn alleine ist schon lange nicht mehr das ausschlag­ge­bende Argu­ment im zuneh­menden Wett­be­werb um Fach­kräfte.
Immer mehr Eltern wünschen sich, ihr Kind im ersten Lebens­jahr selbst zu betreuen. Deshalb verlangt die dritte Richt­linie zur Eltern­zeit erst­mals eine Entschä­di­gung, um möglichst vielen Fami­lien die Eltern­zeit unter Fort­füh­rung eines ange­mes­senen Lebens­stan­dards zu ermög­li­chen.
Dagegen zemen­tiert eine mini­male Grund­ver­gü­tung ledig­lich ein über­holtes Rollen­bild. Weiterhin werden Mütter zuhause bleiben, während Väter auf die ursprüng­lich gewünschte Eltern­zeit verzichten.

Wir hätten uns von den Wirt­schafts­ver­bänden mehr Weit­sicht gewünscht, einer­seits in Bezug auf das Wohl der Fami­lien und der Gesell­schaft, ande­rer­seits hinsicht­lich ihres Bemü­hens um Fach­kräfte und die Erhö­hung des Frau­en­an­teils in der Arbeits­welt.
Demge­gen­über hat das Amt für Volks­wirt­schaft die Zeichen der Zeit erkannt, wie aus dem Volks­blatt-Inter­view vom 8. August mit Amts­lei­terin Katja Gey hervor­geht. Aus ihrer Sicht „ist die Umset­zung der Eltern­zeit, die auch tatsäch­lich genutzt werden kann, ein ganz wich­tiges Element für die künf­tige Attrak­ti­vität unseres Stand­orts für Arbeit­neh­mende und Fami­lien“.
EU-Mindest­vor­gaben schaffen dies nicht ansatz­weise, wie die zwei voran­ge­gan­genen Richt­li­nien zur Eltern­zeit eindrück­lich belegten.

Sigi Langen­bahn, Präsi­dent LANV
Mittwoch, 10.August 2022
Wagenführer:innen sagen JA zur Gewerkschaft!
Die Betreibung des Linienverkehrs durch die LIEmobil wurde per Mitte Dezember 2021 an die BOSPS Anstalt vergeben. Gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung (ANV) hat die Gewerkschaft LANV mit den Vertragspartnern BOSPS Anstalt und LIEmobil die neuen Allgemeinen Dienstverträge (ADV) für die Wagenführer:innen vereinbart. Trotz verschiedenen Verbesserungen bei Lohn und Pausen verlief der Wechsel von PostAuto zu BOSPS nicht reibungslos.

So bat die ANV die Gewerkschaft um weitere Unterstützung. An einem gemeinsamen Gespräch im Juli konnten sich die Vertragspartner auf einen Neustart einigen. Um für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein, haben sich nun alle Wagenführer:innen dazu entschlossen, der Gewerkschaft LANV beizutreten. Fredy Litscher, Gewerkschaftssekretär beim LANV zeigt sich überwältigt: «Seit vielen Jahren kämpfen wir für bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden des öffentlichen Verkehrs. Dass dieser Einsatz mit einem Kollektiv-Beitritt zum LANV honoriert wird, freut mich riesig.»

ANV-Präsident übergibt Zepter
Herbert Frick, langjähriger ANV-Präsident der Wagenführer:innen ist erleichtert: «Gemeinsam mit Fredy vom LANV haben wir uns in den vergangenen Jahren sehr intensiv für die Belange meiner Kolleg:innen eingesetzt. Jetzt, da alle meine Kolleg:innen den Mehrwert einer Mitgliedschaft beim LANV erkannt haben, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, innerhalb der ANV etwas kürzer zu treten und das Amt des Präsidenten an Martin Schächle zu übergeben.»
Der neue ANV-Präsident Martin Schächle ergänzt: «Ich bin froh, dass sich Herbert auf meinen Wunsch bereit erklärt hat, in der ANV zu bleiben. Ich bedanke mich herzlich bei Herbert, aber auch bei Jürgen Frick (LIEmobil), Daniel Wiedmer (Standortleiter BOSPS) und Fredy Litscher (LANV) für die hervorragende Zusammenarbeit.»
Dienstag, 02.August 2022
Lohnkontrollen offenbarten zu tiefe Löhne in neun Gastro-Betrieben.
Seit Jahren deckt die Gewerkschaft LANV in Liechtenstein Lohndumping in der Gastronomie auf. Zum ersten Mal hat nun die sogenannte Dreigliedrige Kommission, welche für Branchen ohne allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrag zuständig ist, die Löhne in der Gastronomie kontrolliert.
Donnerstag, 21.Juli 2022
Steigende Inflation
Die galoppierenden Konsumentenpreise – insbesondere die höheren Energie- und Nahrungsmittelpreise – belasten Haushalte mit tiefen Einkommen deutlich stärker als solche mit hohen Einkommen.
 

Denn Haus­halte mit tiefen Einkommen geben einen viel grös­seren Anteil ihres Lohnes für Wohnen, Energie, Verkehr, Nahrungs­mittel und Kran­ken­kasse aus. Die Teue­rung lag im Juni bereits bei 3.4 % und in Europa bei über 8 %. Auch wenn die Prognosen eine Jahres­teue­rung von unter 3 % voraus­sagen, kann bereits jetzt prokla­miert werden, dass in der anste­henden Lohn­runde deut­liche Lohn­er­hö­hungen nötig sind.

 

Natür­lich sind die Unter­nehmen selber von der hohen Infla­tion betroffen und kämpfen weiterhin mit Mate­ri­al­knapp­heit und Liefer­ket­ten­pro­blemen. Viele Unter­nehmen geben die höheren Preise jedoch an die Kunden weiter und der starke Franken dämpft die Kosten­ex­plo­sion.

 

Um die Kauf­kraft zu erhalten und den sozialen Frieden zu wahren, sind insbe­son­dere für Arbeit­neh­mende mit tiefen Einkommen gene­relle Lohn­er­hö­hungen nötig, die über die Teue­rung hinaus­gehen, zumal auch mit Erhö­hungen der Kran­ken­kassen-Prämien gerechnet werden muss. Der LANV wird die bran­chen­spe­zi­fi­schen Lohn­for­de­rungen früher als üblich stellen und blickt heraus­for­dernden Verhand­lungen entgegen
Dienstag, 19.Juli 2022
Lohnverhandlungen sollen früher starten
«Familien im untersten Einkommensbereich brauchen mehr als nur den Teuerungsausgleich, denn zur Inflation kommt noch ein prophezeiter Anstieg der Krankenkassenprämien
hinzu. Entsprechende Lohnerhöhungen sind wichtig zum Erhalt des sozialen Friedens», sagt Gewerkschaftschef Langenbahn.
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