Lohnrunde 2018: Nicht alle profitieren vom Aufschwung

Mittwoch, 20.12.2017

Lohnrunde 2018: Nicht alle profitieren vom Aufschwung

Nach erfreulichem Start in die Lohnverhandlungen fällt die Gesamtbilanz im Gewerbe eher bescheiden aus. Einige Lichtblicke gab es aus Sicht des LANV. So dürfen sich die Arbeitnehmenden des Innendekorations- und Bodenlegergewerbes auf mindestens 100 Franken Lohnerhöhung freuen. In weiteren vier Branchen konnten generelle Erhöhungen zwischen 0.5% und 1.0% erzielt werden. In der Lohnrunde 2018 musste keine Nulllohnrunde hingenommen werden.

 

Trotz der wirt­schaft­lich stabilen Lage und der spür­baren Abschwä­chung des Schweizer Fran­kens wollten die Vertreter von neun Gewer­be­bran­chen nicht über 0.5% zur indi­vi­du­ellen Vertei­lung hinaus­gehen. Es schien fast, als hätten es zwischen den Sektionen Abspra­chen gegeben. Bei guter Auftrags­lage wurde im Bauhaupt- und Neben­ge­werbe noch vehe­menter als gewohnt mit vernich­tenden Preis­kämpfen argu­men­tiert. Neben diesem haus­ge­machten Problem wurde auch auf die stei­genden Lohn­ne­ben­kosten durch die betrieb­liche Perso­nal­vor­sorge verwiesen.

Weniger Geld im Porte­mon­naie
In Anbe­tracht einer Teue­rung von 0.5% sowie stei­genden Gesund­heits­kosten und Vorsor­ge­prä­mien hätten wir uns deut­lich mehr gene­relle Lohn­er­hö­hungen zur Stei­ge­rung der allge­meinen Kauf­kraft erhofft. Bei Lohn­an­pas­sungen von 0.5% sind die Löhne hingegen real weniger wert. Zudem profi­tiert von indi­vi­du­ellen Lohn­er­hö­hungen nur ein Teil der Beleg­schaft, womit einige mit empfind­li­chen Real­lohn­ein­bussen rechnen müssen.

Coif­feure vor dem Aus, Gastro­nomie in Gefahr
Die Jahres­ver­samm­lung des Liech­ten­stei­ni­schen Coif­feur­ver­bands hat beschlossen, den Verband infolge mangelnder Soli­da­rität auf Ende Jahr aufzu­lösen. Somit hat auch der Gesamt­ar­beits­ver­trag ab 2018 keine Gültig­keit mehr. Dies ist umso tragi­scher, da der schwei­ze­ri­sche Coif­feur­ver­band einer massiven Anhe­bung der sehr tiefen Mindest­löhne zuge­stimmt hat. Ohne Gesamt­ar­beits­ver­trag wird im heimi­schen Coif­feur­ge­werbe die Gefahr des Lohn- und Sozi­al­dum­pings massiv ansteigen.

Auch im Gastro­no­mie­ge­werbe fehlt es an Soli­da­rität. Der Sektion Gastro­nomie der Wirt­schafs­kammer mit neuzeit­li­chem Gesamt­ar­beits­ver­trag steht der Hotel- und Gastro­no­mie­ver­band gegen­über. Letz­terer akzep­tiert keinen Gesamt­ar­beits­ver­trag, womit dessen Mitglieder sich an keine Mindest­löhne halten müssen. Während die Mitglieder der Sektion Gastro­nomie den Mindest­lohn von 3‘250 Franken einhalten, erhalten die Mitglieder des Hotel-und Gastro­no­mie­ver­bandes Grenz­gän­ger­be­wil­li­gungen mit Löhnen ab 2‘600 Franken. Das entspricht einer Unter­bie­tung des Mindest­lohns um ganze 20%! Die Jahres­ver­samm­lung der Sektion Gastro­nomie akzep­tierte unsere Verhand­lungs­er­geb­nisse nicht und verlangte statt­dessen Neuver­hand­lungen auf Anfang 2018. Die Vermu­tung liegt nahe, dass sich die Sektion Gastro­nomie mit weiteren Zuge­ständ­nissen schwer tut, solange andere mit staat­li­cher Unter­stüt­zung den Wett­be­werb verzerren und die Sozi­al­part­ner­schaft unter­wan­dern können.

Ein weiterer Still­stand herrscht in der Sektion Textil­rei­ni­gung, der ledig­lich noch die Firma Fix AG ange­hört. Nach mehr­jäh­rigen ergeb­nis­losen Gesprä­chen unter Abwe­sen­heit des Geschäfts­füh­rers verlangten wir für die Lohn­runde 2018 einen Termin mit dem Geschäfts­führer, wie dies über viele Jahre üblich war. Neben Lohn­er­hö­hungen soll es auch um die Revi­sion des veral­teten Gesamt­ar­beits­ver­trags aus dem Jahr 1995 gehen. Offen­sicht­lich hat sich dessen Verständnis von Sozi­al­part­ner­schaft geän­dert, weshalb noch kein Termin zustande gekommen ist.

Verbes­se­rungen für Unge­lernte, Ältere und Väter
Ein weiteres grosses Ziel konnte endlich erreicht werden. In prak­tisch allen Gesamt­ar­beits­ver­trägen der Indus­trie und des Gewerbes konnten die Mindest­löhne für Unge­lernte auf 3‘300 Franken ange­hoben werden. Auch beim Vater­schafts­ur­laub und bei zusätz­li­chen Feri­en­tagen für ältere Arbeit­neh­mende wurden weitere Fort­schritte erzielt. Hier hat sich unsere Hart­nä­ckig­keit der vergan­genen Jahre gelohnt. Unserem Ziel, fünf Wochen Ferien für Arbeit­neh­mende ab 50 in allen Bran­chen sind wir wieder ein grosses Stück näher gekommen.

 

Übersicht

 

Bild:@hazard/pixelio